Quelle: https://nationalpark-reichswald.de
Quelle: https://nationalpark-reichswald.de
Luftbildaufnahme vom Desenberg bei Warburg-Daseburg. Foto: Baoquan Song (Website: Altertumskommission f. Westfalen)
Luftbildaufnahme vom Desenberg bei Warburg-Daseburg. Foto: Baoquan Song (Website: Altertumskommission f. Westfalen)

Zweiter Nationalpark in NRW - Endspurt beim Bürgerbegehren im Kreis Kleve

NABU NRW ruft auf: Noch bis zum 19. Juli ein starkes Zeichen für den Naturschutz setzen und für einen Nationalpark Reichswald stimmen!______________________________________________________________

Düsseldorf – Die Landesregierung hatte im September 2023 angekündigt, einen zweiten Nationalpark in Nordrhein-Westfalen auszuweisen. Seitdem schreitet der Prozess nur schleppend voran. Die Egge wurde als möglicher zweiter Nationalpark in den Kreisen Höxter und Paderborn bereits abgelehnt. Aktuell ist der Reichswald im Kreis Kleve der letzte verbliebene Kandidat. Um die Umsetzung des Nationalparks am Niederrhein voranzutreiben, wurde auch hier ein Bürgerbegehren gestartet. Die NABU-Landesvorsitzende, Dr. Heide Naderer, ruft nun alle Bürger*innen im Kreis auf, das Bürgerbegehren der Initiative Internationalpark Reichswald zu unterstützen und noch bis zum 19. Juli pro Nationalpark in der Region zu stimmen.

„Nationalparke sind ein zentrales Instrument zum Erhalt der Natur, der Artenvielfalt und unserer aller Lebensgrundlagen. Das Thema geht uns alle an und wir alle müssen uns dazu positionieren“, so Naderer weiter. Deswegen rufe der NABU NRW die Bürger*innen im Kreis Kleve dazu auf, sich aktiv für die Einrichtung eines zweiten Nationalparks in Nordrhein-Westfalen auszusprechen, insbesondere für den Nationalpark Reichswald. Denn Nationalparke leisten einen wertvollen Beitrag zur natürlichen Wildnisentwicklung und damit zum Schutz der Biodiversität. „Es ist höchste Zeit, dass wir handeln, um unsere natürlichen Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen zu erhalten und ein unmissverständliches Zeichen für deren Schutz zu setzen“, erklärte Naderer.

Die Initiative Internationalpark Reichswald ist ein Bündnis von Heimat- und Naturschutzvereinen und Bürger*innen beiderseits der deutsch-niederländischen Grenze, die sich für einen grenzüberschreitenden Nationalpark im Bereich „Reichswald – Koningsven – Mookerheide“ einsetzen. Für ein erfolgreiches Bürgerbegehren müssen nun zunächst 12.000 Unterschriften gesammelt werden. Teilnahmeberechtigt sind alle zu Kommunalwahlen im Kreis Kleve wahlberechtigten Personen ab 16 Jahren.

Und so kann man bis zum 19. Juli noch unterschreiben:

1. Unterschriftenliste ausdrucken und mit einer und evtl. weiteren Unterschrift(en) noch bis zum 19. Juli an die Initiative Internationalpark Reichswald schicken. Die Liste kann auf der Seite der Initiative heruntergeladen werden: https://nationalpark-reichswald.de/wp-content/uploads/2024/04/240417-Nationalpark-Buergerbegehr.pdf

2. An vielen Stellen im Kreis Kleve sind weiterhin Unterschriftensammler*innen unterwegs und freuen sich über jede geleistet Unterschrift.

3. Auch die NABU-Naturschutzstation Niederrhein (Kleve-Rindern) und die Geschäftsstelle des NABU-Kreisverbandes Kleve in Geldern haben Unterschriftenlisten vor Ort. Zum Unterschreiben vorbeigehen oder ausgefüllte Listen hier abgeben.

Für alle, die sich weiter informieren wollen, gibt es die Website zur Initiative Nationalpark Reichswald. Hier geht es um Hintergründe, Argumente und Erklärungen, was ein Nationalpark für Natur und Menschen in unserer Region bedeuten würde.

Hier geht's zum Video "Ja! Zum Nationalpark ...

 


Aus für den Nationalpark in OWL. Foto: Martina Vogt
Aus für den Nationalpark in OWL. Foto: Martina Vogt

Nationalpark Egge auch im Kreis Paderborn abgelehnt | Hoffnung für mehr Naturschutz liegt auf EU-Ebene

Pressemitteilung NABU NRW vom 17.06.2024

 

Düsseldorf – Auch im Kreis Paderborn haben sich Bürgerinnen und Bürger gegen einen Nationalpark in der Egge entschieden. „Das ist ein schwarzer Tag für den Naturschutz in Nordrhein-Westfalen, denn es wurde eine große Chance vertan, eine wichtige Weiche für den Erhalt und Schutz unserer biologischen Vielfalt im bevölkerungsreichsten Bundesland zu stellen“, erklärte Dr. Heide Naderer, Vorsitzende des NABU Nordrhein-Westfalen.

„Doch das entscheidende falsche Signal wurde bereits vor Monaten auf Landesebene gesetzt: Statt wichtige und zu schützende Naturbereiche landesplanerisch vorzusehen, wie es bei anderen Themen von „überragendem öffentlichen Interesse“ der Fall ist, hat die Landesregierung von Anfang an, diese Entscheidung ausschließlich regionalen und lokalen Interessen überlassen. Die Grünen in der Regierungsverantwortung in NRW haben bis heute nicht verstanden, dass der notwendige Schutz der Natur keine Hobbyaktivität ist und sich nicht auf Vogelbeobachtung reduzieren lässt. Was für eine Enttäuschung, so wenig Rückhalt für den Schutz der Biodiversität in der Landesregierung zu haben“, so die NABU-Landeschefin weiter.

Der NABU NRW erwarte, dass die nordrhein-westfälische Landesregierung die Umsetzung des im Rahmen der nationalen Biodiversitätsstrategie 2020 festgelegten Ziels von zwei Prozent Wildnisfläche nun zügig vorantreibe. Denn Wildnisgebiete umfassen bis heute bundesweit knapp 0,6 Prozent der Landesfläche, in Nordrhein-Westfalen sind es mit der Kern- und Entwicklungszone des Nationalpark Eifel gerade einmal 0,28 Prozent. Die Umwandlung eines wesentlichen Anteils der Staatswaldflächen in Wildnisgebiete wäre da ein herausragender Schritt zu mehr Biodiversitätsschutz im Land. Abzüglich der Flächen des Nationalparks Eifel gilt es ein Defizit von knapp 60.000 Hektar an Wildnisgebieten zu auszugleichen, um das zwei Prozent Ziel zu erreichen. Es bleibt also noch einiges zu tun.

Einen Hoffnungsschimmer für mehr Naturschutz gibt es aktuell auf EU-Ebene: Hier haben die EU-Mitgliedsstaaten heute im Umweltrat dem EU-Renaturierungsgesetz zugestimmt. Damit ist der Weg frei für ein weltweit einmaliges Gesetz zur Wiederherstellung der natürlichen Lebensgrundlagen. Dazu braucht es in Deutschland eine ambitionierte Umsetzung auf nationaler Ebene und folgend in den Bundesländern. Naderer: „Und dann ist auch NRW wieder gefordert. Es wäre klüger gewesen, die schwarz-grüne Landesregierung hätte das Thema Nationalpark als parteiübergreifendes Projekt im überragenden öffentlichen Interesse vertreten und hätte damit politische Weitsicht bewiesen.“

 


 

 Pressemitteilung des NABU Paderborn

Bad Lippspringe, 17.06.2024

Der NABU Paderborn bedauert, dass der Bürgerentscheid, mit dem im Kreis Paderborn eine Bewerbung für die Einrichtung des zweiten NRW-Nationalparks in der Egge erreicht werden sollte, erfolglos war. „Es ist uns nicht gelungen, der breiten Bevölkerung klarzumachen, dass Naturschutz wichtiger ist als die Wahrung von Einzelinteressen der Forst- und Landwirtschaft“, so der 1. Vorsitzende Otmar Lüke.

„Aber das ist für uns Naturschützer, die sich in den vergangenen Monaten zu einem breiten Bündnis zusammengefunden haben, ein wichtiger Anreiz, weiterzumachen.“

 

Es gehe nämlich um nichts weniger als den Erhalt der Artenvielfalt für die kommenden Generationen, der nicht aus dem Blick verloren werden dürfe. „Dafür werden wir uns weiterhin stark machen und die Politik beim Wort nehmen“, betont Lüke und erinnert daran, dass die Christdemokraten mit dem Slogan ‚Ja zum Naturschutz - Nein zum Nationalpark“ auf Stimmenfang gegangen sind. „Wir erwarten künftig von der CDU die deutliche Unterstützung von Natur- und Artenschutzprojekten, wir erwarten ein deutliches ‚Nein‘ zum Thema Windkraft in der Egge. Wir fordern, dass die CDU sich dafür ausspricht, sämtliche Wälder, die im Eigentum der öffentlichen Hand sind, streng nach ökologischen Prinzipen zu bewirtschaften“, fordert Otmar Lüke. „Wenn sich die CDU im Verlauf des Bürgerentscheides als Naturschutzpartei gerierte, dann muss sie auch Taten folgen lassen.“

Als ersten nimmt der NABU Paderborn da Landrat Christoph Rüther in die Pflicht. „Er muss sich dafür stark machen, damit der Naturpark, den er nach eigenen Angaben mit einem „Plus“ versehen will, nicht nur eine touristische Einheit bleibt, sondern ein effektives Naturschutzkonzept erhält“, verlangt der NABU Paderborn.

 


Bürger:innen im Kreis Höxter stimmen gegen einen Nationalpark Egge

 

14.06.2024

Die Stimmen sind gezählt und leider gab es im Kreis Höxter keine Mehrheit für den strengen Naturschutz durch einen Nationalpark.

Was heißt das nun? Die Flächen der Nationalpark-Kulisse, die sich im Kreisgebiet Höxter befinden, sind damit nicht mehr Teil des möglichen Nationalparks Egge.🌱
Das ist zu respektieren! In einer lebendigen Demokratie ist es die Aufgabe aller, auch ohne Mehrheit das Votum zu respektieren und zu unterstützen. Dieses Bewusstsein war seit Beginn des Bürgerbegehrens im vergangenen Oktober 2023 bei allen Beteiligten vorhanden. 🤝

Wir blicken gespannt auf den Kreis Paderborn: Ob der Nationalpark Egge - auf einer kleineren Fläche - noch eine Chance hat, wird sich in der nächsten Woche entscheiden. 🌱
Wir sind dennoch überwältigt vom Engagement, das so viele für den Schutz unserer Natur und den Nationalpark gezeigt haben. Euer Einsatz war inspirierend! 💚

Ein **riesengroßes Dankeschön** an alle, die sich für den Nationalpark eingesetzt haben – beim Unterschriften sammeln, Informieren, Diskutieren und Argumentieren. Es war uns eine Ehre, mit euch zusammenzuarbeiten! 🌟

Darüber hinaus möchten wir unseren aufrichtigen Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung Höxter aussprechen, die das Bürgerbegehren und den Bürgerentscheid mit der Stimmauszählung begleitet und unterstützt haben.


Falterzählung 2024. Foto: NABU NRW
Falterzählung 2024. Foto: NABU NRW

Auf die Plätze, fertig, Falter zählen...

 

Vom 15.6. bis 15.7. Schmetterlinge beobachten und dem NABU NRW melden

 

Düsseldorf – Längst sind viele Tag- und Nachtfalter nicht mehr so häufig zu Gast in unseren Gärten wie noch vor ein paar Jahren. Denn auch vor unseren beliebten Schmetterlingen macht das dramatische Insektensterben nicht Halt. Um auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen, ruft der NABU NRW bereits zum 9. Mal zur Falterzählaktion in Nordrhein-Westfalen auf. Vom 15. Juni bis zum 15. Juli können Internessierte Schmetterlinge beobachten, zählen und dem NABU NRW im Rahmen des Projektes „Mehr Platz für Falter – Jetzt wird´s bunt!“ melden.

 

„Dabei kann überall gezählt werden, egal ob im Garten oder auf dem Balkon, im Freibad oder im Park. Empfehlenswert ist es, eine passende Pflanze auszuwählen und alle Schmetterlinge, die sich dort niederlassen, zu erfassen“, erklärt Prof. Dr. Anna von Mikecz, stellvertretende Vorsitzende des NABU-Landesverbandes. Anhand der Daten, die bei der Zählaktion gesammelt werden, könne man herausfinden, welche Tag- und Nachtfalter unsere Umwelt bereichern und wie häufig diese gesichtet werden. „Über die Jahre können wir so vielleicht Entwicklungstendenzen der Bestände einzelner Falterarten erkennen. Daher ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen teilnehmen“, so von Mikecz.

 

Kleiner Fuchs. Foto: Wilhelm Stein
Kleiner Fuchs. Foto: Wilhelm Stein

Die genaue Zählanleitung und Abbildungen der im Fokus stehenden 12 Tag- und sechs Nachtfalterarten sind auf einer Zählhilfe vermerkt, die beim NABU-Landesverband kostenfrei erhältlich ist. Auch weitere Arten, die nicht auf dem Zählbogen abgebildet sind, dürfen angegeben werden – denn jede Meldung zählt!

Hier gehts zum Zähllink!

Zur Auswertung sollten die ausgefüllten Zählhilfen bis zum 22. Juli entweder per Post an die Landesgeschäftsstelle des NABU NRW oder per E-Mail an Falter@NABU-NRW.de geschickt werden. Die Beobachtungen können auch direkt online unter www.schmetterlingszeit.de eingegeben werden.

 

Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW. Drei Partnerinstitutionen - NABU-Stiftung Naturerbe NRW, NAJU NRW und Naturgarten e.V. - unterstützen das Projekt, ebenso wie das Portal Naturgucker.de.

 


Grafik: Marc Tebart / KI-generiert
Grafik: Marc Tebart / KI-generiert

NABU NRW ruft zur Europawahl am 9. Juni auf

Jede Stimme zählt für Natur und Demokratie!

Pressemitteilung vom NABU NRW vom 04.06.2024
Düsseldorf – Der NABU Nordrhein-Westfalen ruft alle Bürger*innen dazu auf, am 9. Juni zur Europawahl zu gehen und ihre Stimme für Natur, Klima und Demokratie abzugeben. Die Zukunft des europäischen Naturschutzes steht auf dem Spiel: „Die Europawahl entscheidet maßgeblich über die Zukunft des Klima- und Naturschutzes in Europa. Nur ein starkes EU-Parlament kann den Schutz unserer Lebensgrundlagen und die Umsetzung des „Green Deals“ vorantreiben“, erklärte Dr. Heide Naderer, Vorsitzende des NABU NRW, heute in Düsseldorf.

 

Ohne den Schutzschirm der EU-Umweltgesetze wäre die ökologische Lage auf unserem Kontinent viel dramatischer als heute, aber trotz klarer Fortschritte haben nationale Regierungen in vielen Fällen mutlos gehandelt. Die EU-Umweltgesetze stehen vor einer historischen Belastungsprobe: Populistische Kräfte wollen den Natur- und Klimaschutz zurückdrängen und die europäische Demokratie schwächen. Der NABU NRW erinnert an das im März 2024 eingeleitete EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland. Die EU-Kommission kritisierte unter anderem die Versäumnisse beim Schutz des EU-Vogelschutzgebiets am Unteren Niederrhein. Deutschland wurde aufgefordert, seine internationalen Verpflichtungen zum Schutz der Natur einzuhalten, NRW muss hierzu seinen Beitrag leisten.

 

 Kernforderungen des NABU zur Europawahl

 
1. Wasser zurück in die Landschaft: Wir müssen Flächen renaturieren, um Naturkatastrophen vorzubeugen und unsere Wasservorräte zu sichern. Die konsequente Umsetzung des Nature Restoration Law und der Wasserrahmenrichtlinie ist dafür essenziell.


2. Klimafreundlicher Umbau der Industrie:
Eine nachhaltige Industriepolitik, die Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung umfasst, ist zwingend notwendig, um Europas Unabhängigkeit und Wohlstand zu sichern.

2. Stärkung der Demokratie und des Rechtsstaats: Die EU muss den Schutz der Minderheitenrechte verstärken und für mehr Transparenz in politischen Entscheidungen sorgen, um die Zivilgesellschaft zu stärken.

 

Dringlicher Appell zur Wahlteilnahme

 

„Gehen Sie am 9. Juni wählen! Unterstützen Sie eine starke EU, die die Natur schützt und unsere Demokratie stärkt. Jede einzelne Stimme hat Gewicht und kann die Zukunft Europas mitgestalten“, so Naderer.

 

Der NABU NRW setzt sich für eine EU ein, die unsere natürlichen Lebensgrundlagen nachhaltig schützt und dabei unseren Wohlstand sichert. Ihre Stimme ist entscheidend, um diese Ziele zu erreichen.

 

FAQs und weitere Informationen zur Europawahl und den Forderungen des NABU finden Sie unter www.nabu.de/europawahl.

 


Fotos: Uli Möhl
Fotos: Uli Möhl

Pressemitteilung zum Nationalpark-Familienfest am Samstag, 01. Juni

Ein Nachbericht von Frederick Lüke

 

Paderborn. Was würden wohl die tierischen Bewohner der Egge sagen, wenn man sie fragte, ob sie sich einen Nationalpark wünschen? Bei der Inszenierung der „Pressekonferenz der Tiere“ beim Familienfest des Bündnisses „Wildschön. Ja! zum Nationalpark Egge“ gab es klare Antworten. Prominente Gäste dieser Veranstaltung waren unter anderem Umweltminister Oliver Krischer und seine einstige Amtsvorgängerin Bärbel Höhn (beide BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN).

 

Wildkatze (Antje Huißmann), Haselmaus (Valerie Geritzen), Feuersalamander (Dr. Tom Steinlein), Schwarzstorch (Dr. Günter Bockwinkel), Mittelspecht (Gritli Noack-Füller), Schwarzspecht (Ralf Liebelt), Ästiger Stachelbart (Prof. Bernd Gerken) und Schwammwald (Karsten Otte) lieferten der Moderatorin Tanja Busse sehr klare Antworten. Sie hielten sehr wenig davon, wie der Mensch mit ihrem Lebensraum umgeht, ihnen mit schweren Maschinen das Leben schwer macht und auch den Wald als Wasserspeicher seiner Funktion beraubt. Elektronisch zugeschaltet war der Arzt und Moderator Eckhard von Hirschhausen als Höhlenkäfer, der ebenfalls die Bedeutung der Egge als Nationalpark betonte. Das Orchester des Wandels mit dem Waldhorn-Quartett der Bielefelder Symphoniker und Leonore von Falkenhausen, Gesangsdozentin an der Musikhochschule Detmold und Intendantin des internationales Stimmenfestivals VOICES sang gemeinsam mit den Besucher:innen.

Oliver Krischer und Bärbel Höhn brachen in aller Deutlichkeit eine Lanze für den Nationalpark Egge. Nie war die Chance besser, betonten beide. Kämpferisch machte Krischer erneut klar, dass die Verhinderer dieses Großschutzgebietes mit falschen Argumenten arbeiten: Weder gibt es Pufferzonen, noch entstehen neue Kosten oder Betretungsverbote.

 

Der Familientag vor der Paderhalle neben dem Maspernplatz erwies sich als eine gute Gelegenheit, mit den Besucher:innen ins Gespräch zu kommen. Knapp tausend Gäste schauten im Laufe des Samstagnachmittags vorbei und ließen die schöne Stimmung auf sich wirken. Dafür sorgen die Stände von BUND, NABU, Greenpeace, Parents for Future, der Umwelt-Bildungs-Initiative OWL, der Künstler:innen Manfred Webel und Laura Schlütz und der Grünen Jugend, die ganz viel Natur zum Anfassen, zum Erleben und zur künstlerischen Umsetzung anboten. Abgerundet wurde das starke Gesamtbild vom Stelzenläufer Oliver Kessler, der als Ed Wood einen riesigen Baum verkörperte und die Aufmerksamkeit auf sich zog.

 

Ein besonderer Clou fand indes bereits am Vormittag statt: Künstlerin Simone Beckmann fuhr auf einem als Forelle umgestalteten Scooter gemeinsam mit in weiß gewandeten Ukrainer:innen durch die Innenstadt, gefolgt von Christian Schulte als Neptun. Ihre Botschaft war klar: Ein Nationalpark Egge sorgt in seiner Funktion als Schwammwald für ausreichend und sauberes Wasser. Die Ankunft der Gruppe auf dem Gelände läutete das Familienfest ein – und sorgte von Anbeginn für eine gesellige Atmosphäre.


Nationalpark-Familienfest „Lass mal wachsen“

Seid dabei, wenn wir gemeinsam das Familienfest für den Nationalpark feiern!

Freut euch auf den Baum-Mann "Ed Wood" und viele andere tolle Aktionen am Samstag in Paderborn!

 

Wann: 01.06.2024, 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr

Wo: Paderhalle, Paderborn

 

Nationalpark-Familienfest „Lass mal wachsen“
Nationalpark-Familienfest „Lass mal wachsen“

Siebenschläfer-Webcam des NABU Leverkusen wieder online!

Foto: Pixabay
Foto: Pixabay

Von Juni bis Oktober das heimliche Leben der Bilche beobachten

 

Düsseldorf/Leverkusen – Es ist wieder so weit: Die Leverkusener Siebenschläfer sind aus sieben Monaten Winterschlaf erwacht und das bundesweit einzigartige Siebenschläfer-TV des Leverkusener NABU ist wieder online. Ab dem 1. Juni kann weltweit jede:jeder online das muntere Treiben der wildlebenden Bilche in ihren Nisthilfen unter https://nabu-leverkusen.de/siebenschlaefer/ verfolgen. Die Deutsche Postcode Lotterie als langjähriger Partner des Projektes ermöglicht erneut dessen Durchführung.

 

Rückblickend gewährte die Webcam wieder spannende Einblicke in das vergangene Siebenschläferjahr: So wurden in zwei Nistkästen Anfang August insgesamt 13 Junge geboren. „Eine große Anzahl, was auf eine gute Futtersituation schließen lässt“, so Regine Kossler, Koordinatorin des Leverkusener Siebenschläferprojektes. Einmalig war zudem die Beobachtung wie eine Siebenschläfermutter mit ihren sieben circa drei Tage alten Jungen in einen der Nistkästen einzog. Kossler: “Die Leichtgewichte, die bei der Geburt gerade einmal fünf Gramm auf die Waage bringen, wurden mit sicherem Griff am Genick in den Kasten getragen. Dennoch ein nicht ganz einfaches Unterfangen."

 

Die Internet-Nutzer:innen konnten die Entwicklung des Nachwuchses von den nur bohnengroßen Jungen zu quirligen und neugierigen „Teenagern“ in sehr guter Qualität beobachten. Lediglich an kühlen Tagen und nachts gab es Einschränkungen – wenn die Mütter auf Nahrungssuche gingen, deckten sie die Jungen meist mit Blättern zu, damit sie nicht auskühlten. Insgesamt wurde das „Siebenschläfer-TV“ im vergangenen Jahr über 236.000 Mal angeklickt. Kossler: “Damit ist die Webcam des NABU Leverkusen wieder die bestbesuchte Tier-Webcam Deutschlands. Aber nicht nur hier wird die Webcam intensiv genutzt, insgesamt gibt es Freunde unseres Siebenschläfer-TVs in mehr als 60 Ländern.“

 

Über alle Ereignisse bei den Siebenschläfern und Details über die Bedeutung der Artenvielfalt für unsere Ökosysteme und unsere Zukunft informiert der NABU Leverkusen über seine Homepage sowie die Facebookpräsenz des Siebenschläfer-Projektes. Dort finden sich auch Mitmachaktionen mit reizvollen Aufgaben und attraktiven Gewinnen.

 

Beobachtet werden können die Siebenschläfer über die Webcam des NABU Leverkusen unter https://nrw.nabu.de/wir-ueber-uns/infothek/webcam/index.html oder direkt über die Projektseite https://nabu-leverkusen.de/siebenschlaefer/. Hier sind auch viele Highlights der vergangenen Jahre zu finden.

 

Und wer ganz schnell über das aktuelle Geschehen informiert werden möchte, kann dies über die öffentliche Facebook Gruppe https://www.facebook.com/familiesiebenschlaefer/  sicherstellen.

 

Kontakt:
Regine Kossler, Projektkoordinatorin NABU-Siebenschläferprojekt

Tel: 0151- 56 105 099

E-Mail: regine.kossler@nabu-leverkusen.de

 


Pressemitteilung des NABU-Kreisverbandes Paderborn und des Naturwissenschaftlichen Vereins Paderborn

22. Mai 2024

 

Kreis Paderborn: Mit Entsetzen haben wir erfahren, dass die Stadt Bad Lippspringe im Böcksgrund den Bau von fünf Windkraftwerken genehmigen will. Ist den Verantwortlichen nicht bekannt, dass es sich hier um einen Hotspot der Vogelvielfalt handelt, also einen Ort, der sich durch eine beeindruckende Zahl an Vogelarten auszeichnet?

 

Dieses Tal unterhalb von Hindahls Kreuz/Eiserner Herrgott ist eine der wichtigsten Ost-West-Zugstrecken im Eggegebirge und Teutoburger Wald. Das betroffene Gebiet ist darüber hinaus Brutgebiet für zahlreiche seltene und gefährdete Vogelarten. Der von der Stadt Bad Lippspringe in Auftrag gegebene Umweltbericht weist im Gebiet um den Böcksgrund u.a. windkraftsensible Arten wie Rotmilan, Wachtelkönig, Uhu und Baumfalke als Brutvögel aus. Sein besonderes wertbestimmendes Merkmal hat der Böcksgrund als regelmäßiges Überwinterungsgebiet für von in Deutschland vom Aussterben bedrohte Arten wie Kornweihen - von denen es nur noch acht (!) Brutpaare in Deutschland gibt - sowie Raubwürger und Sumpfohreulen. Er ist weiterhin wichtiger Trittstein für 30 Zugvogelarten. Die geplanten Windkraftanlagen würden das Aus für den Hotspot Böcksgrund bedeuten.

 

Der Umweltbericht nennt auch die gravierenden Umweltschäden durch einen Bau der Windkraftanlagen, wie Planierung und Verdichtung des Bodens, Zubetonierung, Verlust von Lebensraum, getötete Vögel und Fledermäuse durch die Rotorblätter, Verlust von Biodiversität, negative Auswirkungen auf den Wasserhaushalt, Beeinträchtigung der menschlichen Erholung. Die Verfasser wischen aber sogleich alles vom Tisch mit dem Argument, dass die Erzeugung regenerativer Energie wichtiger sei als Biodiversität und Artenschutz. Der Rat der Stadt Bad Lippspringe will leider in seiner Entscheidung diesem Bericht folgen.

 

NABU und Naturwissenschaftlicher Verein sind wohlgemerkt nicht gegen einen Ausbau der Windenergie, dieser muss aber nachhaltig sein und nicht nur dem Profit von Investoren dienen. Im Fall Böcksgrund steht ein Energiegewinn durch die Windkraft in keinem Verhältnis zu den Schäden an Natur und Umwelt.
Wir fordern den Stadtrat auf, die Windkraftpläne aufzugeben und sich stattdessen dafür einzusetzen, dass der Böcksgrund Teil eines Natura-2000-Vogelschutzgebietes wird.
 
Otmar Lüke, NABU-Kreisverband Paderborn, Erster Vorsitzender
Reinhard Schäck, Naturwissenschaftlicher Verein Paderborn, Erster Vorsitzender


Stunde der Gartenvögel 2024 - Foto: Mathias Schäf - Grafik: publicgarden
Stunde der Gartenvögel 2024 - Foto: Mathias Schäf - Grafik: publicgarden

Kleiner Zaunkönig ganz groß!

Ergebnisse der Vogelzählung "Stunde der Gartenvögel" 2024

 

Berlin/Düsseldorf – Bestes Frühlingswetter lockte am langen Wochenende vom 09. bis 12. Mai zum Vögelzählen in Gärten, Parks und auf den Balkon. Mehr als 58.000 Menschen haben an der diesjährigen „Stunde der Gartenvögel“ teilgenommen und über 1,2 Millionen Vögel gemeldet. Jetzt liegen die Ergebnisse von Deutschlands größter Citizen-Science-Aktion vor, die bereits zum 20. Mal vom NABU und seinem bayerischen Partner LBV organisiert wurde. Auf Platz 1 der am häufigsten gesichteten Vögel landete – wie fast immer – der Haussperling, gefolgt von Amsel, Kohlmeise und Star.

Zilpzalp. Foto: Kathy Buescher NABU Rinteln
Zilpzalp. Foto: Kathy Buescher NABU Rinteln

In NRW beteiligten sich dieses Jahr mehr als 10.800 Menschen und meldeten über 225.000 Vögel aus den nordrhein-westfälischen Gärten und Parks. Abweichend zum bundesweiten Ergebnis kämpfte sich in NRW die Kohlmeise auf Platz 2 vor Amsel und Blaumeise, die allgemeinen Trends sind aber vergleichbar.

 

„Das überdurchschnittlich warme Frühjahr hat sich offenbar in der Vogelwelt bemerkbar gemacht, indem einige Arten früher zurückgekehrt oder mit der Brut gestartet sind“, sagt Lukas Stemper, stellvertretender Vorsitzender des NABU NRW. Daran habe auch der kurze Kälteeinbruch im April nichts geändert. So wurde beispielsweise der Zilpzalp landesweit um 13 Prozent häufiger gesichtet als im Vorjahr. „Als Mittel- und Kurzstreckenzieher ist er, wie auch einige andere Arten, etwas früher aus seinem Winterquartier zurück nach Deutschland gekommen.“

 

Ein weiterer Profiteur des milden Winters könnte der Zaunkönig sein. Er wurde in NRW um sechs Prozent häufiger gemeldet als im Vorjahr. Die Art sei anfällig für lange Kälteperioden, die es im vergangenen Winter nicht gegeben habe. Das könne laut Stemper die Population in Deutschland gestärkt haben.

 

Weniger gute Nachrichten gibt es von den Insektenfressern zu vermelden. Mehlschwalbe (minus 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) und Rauchschwalbe (minus 18 Prozent) stürzen nahezu ab. Das könnte vor allem mit dem winterlichen Intermezzo während der Zugrückkehr im April zu tun haben. In NRW blieben die Meldungen der beiden Insektenfresser in NRW – anders als auf Bundesebene – auf dem bekannten niedrigen Niveau des Vorjahres. Bei den Mauerseglern gibt es dagegen bundesweit ein leichtes Plus von fünf Prozent bei den Sichtungen, in NRW stieg die Zahl der Beobachtung um satte 17 Prozent an. Damit pendeln sich die diesjährigen Beobachtungen in den recht stabilen Trend der letzten Zählaktionen ein.

 

 

„Wenn wir aber auf die vergangenen 20 Jahre zurückschauen, sehen wir, dass auch bei den Mauerseglern der Trend eher nach unten geht“, so Stemper. „Unsere Zählungen sind Momentaufnahmen. Erst die Kontinuität über Jahre gibt uns ein realistisches Bild von der Bestandsentwicklung der Arten.“ Diese Trends haben die Ornithologen des NABU zum 20. Geburtstag der Vogelzählung für die 18 häufigsten Gartenvögel zusammengestellt. So nahmen beispielsweise die Sichtungen bundesweit bei Buntspecht, Eichelhäher und Ringeltaube zu, während sie bei Grünfink, Amsel und Hausrotschwanz immer weiter abnahmen. Stemper: „Unsere Zahlen zeigen, dass typische Waldvögel wie Buntspecht, Eichelhäher und Ringeltaube in den vergangenen 20 Jahren den Siedlungsraum erobert haben, weil sie hier offenbar in Gärten und Parks ein gutes Nahrungsangebot und sichere Bedingungen vorfinden.“ Die starken Rückgänge bei den insektenfressenden und gebäudebrütenden Arten dürften eine Folge des Insektensterbens sowie von fehlenden Nistmöglichkeiten sein.

 

Die nächste Vogelzählung findet mit der „Stunde der Wintervögel“ vom 10. bis 12. Januar 2025 statt.


Frühlingsfest mit Eröffnung Genussweg

6. Mai 2024

 

Das Frühlingsfest am Sonntag den 5. Mai hatte ein breites Angebot rund um die Gesundheit, Garten und zu nachhaltigen Themen. Die zahlreichen Besucher konnten den Tag in und am Prinzenpalais sowie die Natur im Park genießen.

Es gab nachhaltige Produkte und Mitmachangebote für Groß und Klein, zahlreiche Info-Stände und vielerlei kulinarische Angebote, wie die gesunden Aufschnitte mit diversen Wildkräutern oder selbst hergestellter Honig und Marmelade von SchülerInnen der Friedrich-Spee-Gesamtschule.

Das Frühlingsfest ging einher mit der Einweihung des Genusswegs wild & lecker. Dieser ist ab jetzt den Besuchern des Arminius- und Jordanparks zugänglich und lädt auf 1,5 Kilometern dazu ein, die heimische Vielfalt essbarer Wildpflanzen zu erkunden. Eröffnet wurde der Genussweg durch den Bürgermeister Ulrich Lange und Dirk Tornede, Leiter des NABU Natur-Infozentrums Senne.

Es lohnt sich, den Weg zu unterschiedlichen Jahreszeiten zu begehen, da manche Pflanzen wie Frühblüher oder Wildfrüchte in verschiedenen Quartalen zu sehen sind. Und er soll die Besucher auch anregen, Wildpflanzen anzubauen und zu nutzen. In Maßen ist es erlaubt, Kräuter für die Eigenverwendung zu pflücken.

Der Genussweg wurde gefördert durch die


03. April 2024 - Das Aktionsbündnis „Ja! zu unserem Nationalpark Egge“ hat mit dem Bestseller-Autor und Förster Peter Wohlleben einen weiteren Unterstützer für sich gewinnen können.

Die Erholungs- und Tourismusindustrie, die blühen auf. Ein Nationalpark schafft Arbeitsplätze. In Euros ausgedrückt ist das ein Hochleistungsbetrieb...“ Peter Wohlleben

 

"Besser geht's von allein!"

Bestsellerautor und Förster Peter Wohlleben. Foto: Tobias Wohlleben
Bestsellerautor und Förster Peter Wohlleben. Foto: Tobias Wohlleben

→ In 16 Nationalparks - auf einer Gesamtfläche von gut einer Million Hektar - können wir in Deutschland unberührte Natur genießen. Ein so bevölkerungsreiches und großes Bundesland wie Nordrhein-Westfalen kann bisher nur mit einem einzigen ausgewiesenen Nationalpark aufwarten, dem Nationalpark Eifel. Genau das will das Aktionsbündnis „Ja! zu unserem Nationalpark Egge“ ändern. Die Kreise Höxter, Lippe und Paderborn sammelten dafür bereits über 20.000 Unterschriften, deutlich mehr als für das Einreichen der beiden Bürgerbegehren erforderlich war.

 

Im Gespräch mit Bestseller-Autor und Diplom-Forstingenieur Peter Wohlleben / Das Interview führte Martina Vogt für den NABU Paderborn

 

Vogt: Schön, dass Sie sich Zeit für unser Vorhaben, der Ausweisung eines zweiten Nationalparks in NRW, nehmen, Herr Wohlleben. Ich bin neugierig… Waren Sie heute Morgen eigentlich schon im Wald?

 

Wohlleben: (lacht) Ja, natürlich. Mein Forsthaus steht ja mitten im Wald (oberhalb vom Ahrtal) und wenn ich einen Fuß vor die Tür setze, bin ich direkt im Wald.

 

Vogt: Sie Glücklicher! Naherholung direkt vor Ihrer Nase. Das wollen wir in Ostwestfalen auch. Unser Anliegen ist ein zweiter Nationalpark für NRW, in der Egge. Sie sind ebenfalls für einen Nationalpark in der Egge und ich würde gern wissen, warum?

 

Wohlleben: Also erst einmal ist es grundsätzlich schön, dass Nordrhein-Westfalen einen zweiten Nationalpark will. Davon können sich einige Bundesländer eine Scheibe abschneiden, zumal NRW trotzdem einen recht geringen Waldanteil hat und viel Bevölkerung. Die meisten Menschen vergessen, dass Nationalpark, also „Park“, nicht gleich „Ausschluss von Menschen“ bedeutet - sogar ganz im Gegenteil! Das Erholungsbedürfnis (Einwohner pro Quadratkilometer) ist in NRW besonders hoch. Allein von dieser Warte betrachtet, ist ein zweiter Nationalpark dringend geboten. Ich persönlich schaue natürlich auch aus der Naturschutz-Perspektive auf den Nationalpark. Die Politik hat auch ein internationales Ziel vereinbart: innerhalb von 6 Jahren 10% der bundesdeutschen Fläche unter Prozessschutz zu stellen. Beim Nationalpark sind nur 75% der Fläche gefordert, unter Prozessschutz zu stellen, aber wir haben ein 10 %-iges Ziel für Deutschland insgesamt unterzeichnet. Wir, damit meine ich Steffi Lemke (Die Grünen) im Zusammenhang mit dem Montreal-Abkommen von Dezember 2022.

Aktuell gibt es nur 0,6% Wildnisgebiete in Deutschland, das heißt, wir müssen es fast verzwanzigfachen. Im internationalen Vergleich ist Deutschland auf dem drittletzten Platz in der EU, was Schutzgebiete anbelangt. Wir haben also dringend Nachhol- und Aufholbedarf!

Im Egge-Gebiet haben wir einen großen Teil schöner Laubwälder und eine sehr facettenreiche Natur, also ein sehr gut geeignetes Gebiet – und dabei handelt es sich ausschließlich um Staatswaldanteile. Lange Rede, kurzer Sinn: Ein zweiter Nationalpark in NRW ist das Beste, was wir momentan umsetzen können, und wir sollten das sofort tun!

 

Vogt: Ich frage mich, weshalb gibt es so viel Aufregung rund um das Thema Nationalpark Egge?

 

Wohlleben: Wo die Aufregung herkommt, ist klar. Wir sehen das bei allen Nationalparks in Deutschland, dass Interessengruppen aus dem Hintergrund die Aufregung schüren. Es ist gar nicht „die Bevölkerung“ und auch nicht „die ortsansässige Bevölkerung“, vielmehr sind es Holznutzungsgruppen, die oft grade auf dem Land, obwohl es eine Minderheit ist, den Ton angeben. Das haben wir überall, auch hier beim Nationalpark Egge, dass diese kleine Gruppe Forst-Holz-Jagd die Diskussion bestimmt und gezielt schürt.

 

Fakt ist: Den Menschen wird durch das Ausweisen eines Nationalparks nichts weggenommen. Die Gegnerinnen und Gegner haben völlig verkannt, dass es in Zukunft gar nicht um Holz geht. Es geht um unsere Zukunft und schlicht und ergreifend ums Überleben. Intakte Wälder kühlen die Landschaft, sorgen für die Wasserkreisläufe und -neubildung. Sobald der Herbstregen einsetzt, vergessen wir das häufig. Und dann kommt immer nur noch eins: „Wir wollen Brennholz, Bauholz, brauchen, brauchen, brauchen.“ Aber das Wichtigste, was wir brauchen, ist Wasser. Wälder sorgen für gutes Wasser in der Landschaft. Und es ist beschämend, wenn wir nun in diese ethisch-moralische Schiene kommen, wie wenig wir insgesamt als Gesellschaft anderen Lebewesen übriglassen und vergessen, dass das unser Ökosystem ist, ohne das wir hier alle nicht überleben können.

 

Wenn wir dafür einen so kleinen Teil reservieren wollen und selbst dann noch einige Gegner laut werden ... Dieses Verhalten ist letztendlich schädlich für die Allgemeinheit, das muss man einmal ganz klar sagen. Selbst wenn wir unsere internationalen Ziele einhalten, bedeutet das, dass wir den größten Teil der Fläche weiter bewirtschaften. Es geht nur darum, einen klitzekleinen Teil der Fläche endlich anderen Lebewesen zu überlassen – und wir Menschen können dieses Areal trotzdem weiter nutzen …

 

Vogt: Wir reden ja immer noch von Staatswaldflächen im geplanten Nationalpark-Gebiet Egge. Was genau gilt in einem öffentlichen Wald?

 

Wohlleben: Nun, das Bundesverfassungsgericht hat schon mehrmals darauf hingewiesen, dass bei einem öffentlichen Wald - und hier handelt es sich um Staatswald - die Holzerzeugung gar nicht im Vordergrund stehen darf. Das gilt generell für den gesamten Staatswald. Schutz und Erholung haben Vorrang und hier könnte man jetzt endlich genau diesen Schritt machen. Auf den Gesamtstaatswald bezogen ist das immer noch keine riesige Fläche. Wenn wir den Gesamtwald, den öffentlichen Wald, die Kommunen miteinbeziehen, auch dann sind wir noch weit von dem entfernt, was das Bundesverfassungsgericht fordert. Auch aus dieser Warte betrachtet, ist es dringend geboten, einen zweiten Nationalpark auszuweisen.

 

Vogt: Per Definition ist ein Nationalpark ein Schutzgebiet, etwas Schutzwürdiges und Schutzbedürftiges. Es ist kein Gebiet, wo wirtschaftlich gearbeitet werden sollte. Sie plädieren ja dafür, das Ökosystem Wald so naturnah wie möglich zu belassen und, wenn überhaupt, nur einzelne Bäume zu entnehmen.

 

Wohlleben: Genau. Und es ist übrigens eine Erzählung der Forstwirtschaft, dass in Schutzgebieten nicht gewirtschaftet wird. Dabei geht es eigentlich nur um das Ende der Holznutzung, also der Rohstoffgewinnung. Alles andere bleibt in einem Nationalpark erlaubt. Das heißt, der Nationalpark darf die Landschaft kühlen, darf für Grundwasser und für Erholung sorgen. Womit wir direkt im wirtschaftlichen Bereich angekommen sind, also das, was sich monetär auswirkt: die Erholungs- und Tourismusindustrie, die blühen auf. Ein Nationalpark schafft Arbeitsplätze. In Euros ausgedrückt ist das ein Hochleistungsbetrieb, der daraus wird. Betrachten wir mal reine Forstbetriebe. Davon wären die allermeisten ohne Subventionen gar nicht wirtschaftlich. Beim Nationalpark - wenn diese Fläche erst einmal ohne finanzielle Gegenleistung eingespeist wird - unterscheidet sich es in dem Sinne gar nicht, aber er wirft anschließend wirklich Geld ab, während das viele Forstbetriebe nicht mehr tun.

 

 

Vogt: Wie machen es denn andere Nationalparks? Was können wir von ihnen womöglich lernen?

 

Wohlleben: Nun, generell gesprochen: In einem Nationalpark ist das Ziel nicht Naturverjüngung, sondern natürliche Prozesse entstehen zu lassen. Von allein. Das heißt auch kein Holzeinschlag. Die Wälder dürfen wieder dunkler werden, umgestürzte Bäume bleiben liegen, bilden Hindernisse für Rehe, die da nicht reingehen. Ich habe mir das gerade im Nationalpark Unteres Odertal angeschaut: Dort wird auf Teilflächen nicht gejagt und da funktioniert das wunderbar - von ganz allein. Meines Erachtens nach kann es nicht das Ziel eines Nationalparks sein, dauerhaft Säugetiere zu schießen, die dann auch ganz nebenbei nicht mehr beobachtbar sind, weil sie einfach Angst haben.

 

Vogt: Und die Frage stellt sich erneut. Es ist ein ausgewiesenes Schutzgebiet. Nur was wird geschützt? Haben Sie ein Beispiel, wo Sie sagen, das ist ein Nationalpark, da wird es gut gemacht, da wird es richtig gemacht?

 

Wohlleben: Das weiß ich im Detail nicht, die Jagdstrategie wechselt auch bei den einzelnen Nationalparks. Beim Nationalpark Unteres Odertal ist es ganz gut gelöst worden. Da lässt man die Plantagen, die teilweise auch bestehen, zusammenbrechen. Das find’ ich super. Das ist aber nicht gut auszuhalten für die Menschen vor Ort, denn die Bevölkerung sagt dann: das ganze Holz … Das sind die Dinge, die kommen. Aber dort funktioniert es ganz gut, glaube ich. Ansonsten ist es in den allermeisten Nationalparks leider der Fall, dass dort geschossen wird. Wenn man das international vergleicht, dann muss man sagen, das geht nicht.

Holzeinschlag, Tiere schießen ... Worin unterscheidet sich dann der Nationalpark vom Wirtschaftswald? Es gibt dann ein paar Kernzonen, die sind relativ klein, aber wodurch kommt das ganze? Das kommt, weil man das alte Personal weiter in der Fläche hält, nämlich die Förster, die sagen, wir wissen viel besser als die Natur, wo es langgeht. Viele bestimmen lieber den Prozess selbst. Das ist nicht Sinn eines Nationalparks. Der Sinn eines Nationalparks ist, wir sind mal etwas bescheidener und überlassen wenigstens auf diesen wenigen Promille der Fläche – um mehr geht’s ja nicht – den Prozess sich selbst. Und dort, wo man das macht, ist es sehr schön. Aber es entspricht nicht mehr dem, was Forstwirtschaft sich von solch einer Fläche erhofft. Überall dichte Naturverjüngung, die und die Baumarten, die und die Holzqualität und da muss man sagen, stopp, das ist ein Nationalpark, da geht’s nicht um Holz!

 

Vogt: Und was machen wir mit den riesigen Kahlschlägen? Braucht es da nicht die Hilfe durch den Mensch?

 

Wohlleben: Überall dort, wo man die toten Fichten stehenlässt, kommt Wald von allein zurück. Überall dort, wo man abräumt, haben wir genau diese Probleme, die diese Leute beschreiben. Ich erkläre es gern am Beispiel Nationalpark Unteres Odertal: Egal, wo man hinschaut, es funktioniert von selbst! Außer man macht Kahlschläge, dann entfernt man die gesamte Biomasse, dann bricht der Wald erst zusammen. Pilze, Bakterien usw. haben dann nichts mehr zu fressen und sterben. Dann fahren dort Maschinen hinein, verdichten mit ihrem Gewicht die Böden, die dann kaum noch Wasser speichern und dann trocknen die Wälder im Sommer ziemlich schnell aus.

Wenn ich sie kahlschlage, dann misst man in der prallen Sonne Bodentemperaturen von teilweise deutlich über 60 Grad - da kommt der neue Wald erst recht nicht hoch. Die Flächen vergrasen und mit der Medizin, mit der man Patient:innen heilen will, bringt man selbige:n um. In dieses Gras hinein einen Wald zu entwickeln, kann problematisch werden, weil man die gesamte Fläche für Pflanzenfresser zugänglich macht - ein offenes Paradies für Rehe und Hirsche. Überall dort, wo man die Prozesse laufen lässt, funktioniert es dagegen sehr gut. Je stärker man eingreift, desto schlechter wird die Ausgangssituation. Und dann fängt man aufwendig an zu pflanzen, weil es einfach nicht mehr klappt. Der Gedanke, dass man das selbst verursacht hat, dieser Gedanke entsteht häufig nicht in den Köpfen.

 

Vogt: Würden Sie sagen, dass es dann einfach auch Flächen gibt, die komplett kaputt sind?

 

Wohlleben: Jemand, der die Flächen kaputtgemacht hat, ist gesetzlich dazu verpflichtet, dort wieder Wald entstehen zu lassen. Aber ich würde die Leute daran hindern, den kaputtzumachen. Das ist in etwa so, als würden wir über einen Totalschaden am Auto diskutieren. Ich würde lieber darüber reden, wie wir einen Totalschaden vermeiden können. Häufig gehen wir vom Worst-Case-Szenario aus - und das ist nicht der Borkenkäfer. Das ist Nadelholzanbau in Plantagen, die übrigens seit über 200 Jahren hier immer wieder eingehen, das ist nichts neues. Jetzt geht’s nur schneller. Der Klimawandel stresst das Ökosystem derart, dass nun gnadenlos alle von Menschenhand gemachten Fehler und viele Schwachstellen aufgedeckt werden. Intakte Ökosysteme sind natürlich viel resistenter als manipulierte.

 

Vogt: Ich frage mich, wie geht es besser und nachhaltiger?

 

Wohlleben: Besser geht’s von allein! Ich kenne kein einziges Beispiel, wo ein gepflanzter Wald besser ist als das Original. Das gibt es offenbar nicht. Der Beweis ist bis heute nicht erbracht worden, dass ein gepflanzter Wald stabiler und artenreicher ist oder bessere Holzerträge liefert. Und wenn das nicht beweisbar ist, was man mit hohem Input versucht, dann führt das zu einer Veränderung der gesamten natürlichen Abläufe. Dann sollte man es einfach sein lassen. Außerdem: Wir verlassen uns allzu gern auf die Aussagen der Forstverwaltung. Und dann kommt immer wieder die gleiche Frage: Wo soll das Holz herkommen? A: Ist das gar nicht die Frage, es geht erst mal nur um Resilienz und B: Resiliente Wälder können sicher mehr Holz liefern als sterbende Wälder. Es ist kein Argument zu sagen, wir müssen so viel einschlagen, weil wir das Holz brauchen und dabei das Pferd „Wald“ zu Tode reiten. Dann kommt in Zukunft noch weniger Holz auf den Markt. Das ist ein Argument, das nicht zieht, aber es wird dennoch häufig verwendet.

 

Vogt: Vielen Dank, dass Sie Ihre Zeit und Ihre Erfahrung mit uns teilen, Herr Wohlleben.

 

Wohlleben: Sehr gern. Viel Erfolg wünsche ich Ihnen für Ihr Vorhaben hinsichtlich der Ausweisung eines

17. Nationalparks für Deutschland.

 

Peter Wohlleben setzt sich für eine ökologische wie ökonomische nachhaltige Waldwirtschaft ein. Auf weltweites Interesse stieß sein 2015 veröffentlichtes Buch „Das geheime Leben der Bäume“. In den 1990er Jahren trieb die Landesforstverwaltung Rheinland-Pfalz eine ökologische Waldentwicklung voran, was den Verzicht auf Kahlschläge, Monokulturen und andere Methoden bedeutete. Im Zuge dessen begann Wohlleben, den Gemeindewald Hümmel in einen Urwald zu verwandeln. Sein aktuelles Buch trägt den Titel "Unser wildes Erbe", erschienen im Oktober 2023.